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Dazwischen das Letzte Ostkreuz Bonsoir Bon Bon


Dazwischen Das Letzte
Kurzgeschichten aus Deutschland.
Dazwischen. Michael Meinicke. Nicht systemkonform. Weder früher in der DDR noch später in der BRD. Und heute im vereinigten Deutschland? Er hatte Freunde und saß im Gefängnis ein. Ihm gelang die Flucht zum Klassenfeind, der nicht sein Freund war und wo er keine wirklichen Freunde fand. Seine Jugend heimlich gelebt im Arbeiter- und Bauernstaat und vor dem staatlichen Zugriff versteckt. Und heute noch immer verwurzelt im menschlichen Miteinander und im Widerstand zu Systemen, die alles gleichzumachen versuchen. In den vorliegenden Kurzgeschichten aus den späten 80ern bis heute skizziert Michael Meinicke seine Eindrücke aus dem Leben in diesen verschiedenen Welten. So bilden diese Geschichten ein kleines Mosaik deutsch-deutscher Verschiedenheiten, nicht nur im Ost-West-, sondern auch im Oben- und Unten-, Links- und Rechts-Gefüge. Meinicke kennt dieses Deutschland von A bis Z, von Arbeitsloser bis Zelleneinsitzender (zwei Jahre aus politischen Gründen in der DDR), er kennt es als Städter (Berlin Ost und West) und als Dörfler, als Lehrender, als Theaterregisseur und als Schriftsteller, als Hilfsarbeiter und ... Er beschreibt in virtuoser Sprache aus der Position des Unangepaßten alltägliches Gewesenes und noch immer Existierendes in Deutschland. Es gibt keine Schonung, kein Verstecken, weder für den Autor noch für den Leser. Die Geschichten rufen auf, rütteln wach, machen Mut oder zeichnen uns ein Bild der Ausweglosigkeit. Er schreibt jedoch ohne Wertung, die überläßt er uns, den Lesenden. Und wir? Wir erkennen sie wieder, die Menschen in unserem Land Deutschland mit all den kleinen und größeren Schwächen. Erkennen in diesen alltäglichen Geschichten vielleicht auch uns darin, die eigenen Ansichten, Gefühle. ----------------------------------------------------------------- Berliner LeseZeichen, Ausgabe 04/01 (c) Edition Luisenstadt, 2001


Ostkreuz
Die Achtundsechziger im Osten des Mauerlandes Alkohol, freie Liebe und eine große Portion Revolte. Langhaarige Individualisten rennen gegen systemimmanente Windmühlen an, versuchen ihr Stückchen Freiheit und scheitern kläglich. Michael Meinicke hastet autobiografisch durch die irren Jahre, lässt uns teilhaben an der Angst, der Wut und der Verzweiflung des ostdeutschen Beats. In "OSTKREUZ" (Peter Segler) gibt es keine Helden. In kurzen, engen Sätzen beschreibt das Buch eine Wirklichkeit, die heute von vielen verdrängt oder romantisiert wird. Doch es war nicht romantisch. Es war schmerzhaft und machte Menschen klein. Michael Meinicke legt hier den Soundtrack zu einer Zeit des Verfalls und der grauen Köpfe vor. Jedoch mit so viel Liebe, Detailversessenheit, Gefühl und Respekt, dass dieses Buch in jede Geschichtsstunde der nachwachsenden Generation gehört. Man darf lachen, man darf weinen und man darf wütend sein. "On the road" auf ostdeutsch! Ein schneller Roman, der vom Reisen handelt, vom Reisen in eine Vergangenheit, in der ein paranoider Staat jegliche menschliche Freiheit zertrampelte und letztendlich nur noch die Flucht als Lösung offenließ. Und wenn eure Eltern mal wieder von der "guten alten Zeit unter Honni" schwärmen, schenkt ihnen dieses Buch und eine Bambina-Schokolade und Knusperflocken und und und ...
Blitz - Stadtmagazin Halle/Leipzig Ausgabe 7/8, 13. Jahrgang, 15.7.2002 VOLLY TANNER


Bonsoir Bon Bon
Michael Meinickes hastende Schreibe ist dort geboren, wo Jack Kerouac sein Beutelchen mit Gras und Absinth liegen ließ. Eine Geschichte vom unterwegs sein, ein absurd-dadaistisches, sprachverliebtes Epos. Bon Bon treibts in die Arme schöner Frauen und an die Theken faszinierender Länder, er stolpert und fällt und steht auf und rennt weiter. Eine Figur ohne Anfang und Ende, ein Taumelnder, ein an den Strand Gespülter. Jenseits heutiger Popkultur ist da einer, der sich nicht verbiegt, der in seiner subjektiven Einsamkeit keine Kompromisse machen muss, warum auch - ist doch da nichts - nur er selber. Ein Bon Bon beschnarcht sich trunken eine Welt, in die er gefallen ist, ohne dass er ein Mitspracherecht zu seinem Aufenthaltsort gehabt hätte. Dieses Buch ist die logische Fortsetzung des Erfolgsromans Ostkreuz, in dem Meinicke den Beat des Ostens beschwor. Nun ist dieser nicht mehr auf den Karten und die Protagonisten verstreut unter den Tischen der Welt. Dem heutig Existierenden steht ein ganzer Planet offen, nur ein Leben ist zu kurz, um alles zu erfahren. Besonders, wenn's mit einem explodierenden Schiff im Mittelmeer beginnt.
17.3.2008 VOLLY TANNER